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18.05.2012

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Wirtschaft
Sparkomissar Griechenland
Griechen reagieren empört auf die Idee eines Sparkommissars
Griechen empört über Sparkommissar

"Eine Schande, wie eine neue Besatzung"

Erwägt die EU die Einsetzung eines Sparkommissars für Griechenland? Brüssel dementiert solche Berichte. Doch zugleich wird immer wieder deutlich, dass die EU Griechenland noch stärker kontrollieren will. In der griechischen Öffentlichkeit ruft das wütende Reaktionen hervor.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Athen

Ständig steigen die Steuern, alles wird teurer und gleichzeitig sinken die Löhne. So geht das seit zwei Jahren in Griechenland. Und immer noch reichen all die Sparmaßnahmen nicht aus.

Jetzt kommt auch noch der Vorschlag aus Berlin, den Griechen eine Art EU-Sparkommissar vor die Nase zu setzen. Das empört viele Griechen: "Es ist eine Schande, wie eine neue Besatzung", sagt ein Mann in Athen. Eine Rentnerin schimpft: "Das werden wir niemals hinnehmen. Deutschland soll erst mal für all die Zerstörungen bezahlen, die sie hier während der Besatzung im Krieg angerichtet haben", sagt sie.

Marionettenspielerin Merkel

Screenshot der griechischen Zeitung "Ta Nea" Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Protest gegen die deutsche Kanzlerin: das Titelbild der Zeitung "Ta Nea" ]
Ja, die Nerven liegen blank. Am Zeitungskiosk finden sich die passenden Überschriften dazu: Die Zeitung "Ta Nea" erscheint heute mit einer Schlagzeile in deutscher Sprache. "Nein! Nein! Nein!" steht da in großen Buchstaben; dazu eine Karikatur, in der Kanzlerin Angela Merkel eine Landkarte Griechenlands wie eine Marionette hält.

Viele Griechen haben das Gefühl, dass sie schon lange aus dem Ausland regiert werden. Die EU, und vor allem eben Deutschland, diktiere, wo und wieviel die Griechen sparen sollen - dabei können viele Griechen schon jetzt nicht mehr die Miete für ihre Wohnung aufbringen.

Stratos Farakos schüttelt ebenfalls den Kopf über die Idee eines EU-Sparkommissars. Er ist 32 Jahre alt und Lehrer, auch er verdient heute viel weniger als noch vor zwei Jahren: "Historisch gesehen gab es schon einmal so eine Überwachung der griechischen Regierung: 1941 bis 1944, als Griechenland von der deutschen Armee besetzt war. Damals musste die Regierung der Wehrmacht Rechenschaft ablegen. Vielleicht sollten wir gleich zum deutschen Protektorat werden! Dann werden wir wenigstens auch so gut wie die Deutschen leben können!" Galgenhumor auf den Straßen Athens. Die Stimmung ist schlecht in Griechenland.

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Aber die Regierung von Ministerpräsident Papadimos bleibt dabei: Sie appelliert an die Bevölkerung, am Sparkurs festzuhalten. Nur so könne Griechenland aus der Krise gerettet werden. Viele jüngere Griechen glauben aber nicht mehr an eine Zukunft in ihrem eigenen Land. Sie denken daran, auszuwandern. Auch die 30-jährige Rallou Santorineou aus Athen: "Alle Leute haben Angst, entlassen zu werden. Deswegen lassen wir uns auf der Arbeit sehr viel gefallen, die Überstunden werden nicht bezahlt und auf Rechte wie den Mutterschutz können wir nicht bestehen. Trotzdem gefällt mir Griechenland und ich mag es, hier zu leben. Wenn es aber noch schlimmer wird, dann würde ich auswandern."

Viele gut ausgebildete junge Griechen haben ihr Heimatland schon verlassen und suchen ihr Glück jetzt irgendwo in Kanada, Australien oder Nordeuropa. Das tut denen, die bleiben, weh. Denn sie fragen: Wenn die besten gehen, wer soll dann Griechenland aus der Krise führen?

Angst vor der Zukunft und viele offene Fragen in Griechenland. Kaum jemand glaubt hier, dass der neue EU-Gipfel in Brüssel Antworten auf diese Fragen liefern wird.

Stand: 30.01.2012 13:36 Uhr
 

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