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18.05.2012

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Ausland
Brasilien: Rousseff übernimmt das Präsidentenamt
Stabwechsel in Brasilien

Dilma statt Lula - Rousseff übernimmt Präsidentenamt

In Brasilien hat erstmals eine Frau das Präsidentenamt übernommen: Dilma Rousseff hat Lula da Silva abgelöst, der nicht mehr kandidieren durfte. Die Wahl Rousseffs verspricht Kontinuität. Sie will an die Erfolge ihres populären Vorgängers anknüpfen und das Land fit machen für WM und Olympia.

Von Julio Segador, ARD-Hörfunkstudio Südamerika

Es wird die größte Herausforderung für Dilma Rousseff werden, aus dem riesigen Schatten ihres Amtsvorgängers Lula da Silva hervorzutreten. Den politischen Ziehvater abschütteln kann und will die 63-jährige Politikerin nicht - zu verwoben war sie als langjähriges Kabinettsmitglied mit Lula, zu erfolgreich war die Politik des Arbeiter-Präsidenten, der acht Jahre lang den fünftgrößten Staat der Erde regierte. Und Dilma Rousseff macht klar: Die Politik von Lula da Silva ist ihre Politik, seine Errungenschaften wie das Anwachsen der Mittelschicht sind ihre Errungenschaften: "Ich war Teil der Regierung von Lula, die Erfolge ihrer Politik sind auch meine Erfolge, das heißt: Lulas Erbe ist ein wenig auch mir zuzurechnen. Bei den meisten Sozialprogrammen etwa habe ich direkt mitgewirkt."

Dilma Rousseff und Lula da Silva (Foto: REUTERS) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Lulas Erbe ist ein wenig auch mir zuzurechnen": Dilma Rousseff (rechts) und Lula da Silva bei der Einweihung eines Staudamms ]

Zehn Jahre lang war Dilma Rousseff in Rio Grande do Sul, dem südlichsten brasilianischen Bundesland, Ministerin für Energie. 2003 nahm sie der damals frischgewählte Präsident Lula da Silva in gleicher Funktion in das nationale Kabinett. Sie machte von sich reden, weil sie notwendige Infrastrukturprogramme rasch ausarbeitete und effektiv umsetzte.

2005 dann der Wechsel ins innere Zentrum der Macht: Lula macht Dilma Rousseff zur Kabinettschefin, holt sie ins Präsidentschaftsministerium, wo sie als rechte Hand des populären Staatsoberhauptes dessen Politik mitgestaltete. Ihr Amt gab die Wirtschaftswissenschaftlerin erst auf, als sie ihre Präsidentschaftskandidatur bekanntgab.

Verhaftung während der Militärdiktatur

Der Weg in die Politik war für die Tochter eines bulgarischen Auswanderers vorbestimmt. Früh trat sie in die sozialistische Partei ein, trat dort einem militanten Zweig bei, der gegen die Militärdiktatur kämpfte. Dilma Roussef wurde verhaftet und nach eigenen Angaben wochenlang gefoltert. Anfang der 80er Jahre gründete sie mit anderen die brasilianische Arbeiterpartei und nahm dort verschiedene Funktionen wahr. Die heute 63-Jährige gilt als spröde, herrisch und unnahbar. Für Brasilien eigentlich keine guten Voraussetzungen, um in der Politik Erfolg zu haben. Doch im Sog von Lula war ihr Wahlsieg im vergangenen Herbst eigentlich nie gefährdet.

Wahl als Zeichen an die brasilianischen Frauen

Dilma Rousseff (Foto: AFP) Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Sieht ihre Wahl als "Meilenstein" für die Frauen: Dilma Rousseff ]
Dilma Rousseff ist die erste Frau an der Spitze des riesigen Landes, und die gewählte Staatspräsidentin versteht dies auch als Zeichen an die brasilianischen Frauen: "Meine Wahl ist ein Meilenstein. Nicht weil ich gewählt worden bin und nun Präsidentin bin, sondern weil das einen Prozess in Gang setzt, dass sich die brasilianischen Frauen ihrer Bedeutung immer stärker bewusst werden", sagt sie. "Die wichtigste Botschaft ist, dass Frauen ganz nach oben kommen können. Die Frauen haben all das Potenzial, das auch Männer haben. Natürlich gibt es Unterschiede, aber sie sind nicht weniger wert."

Und so verwundert es nicht, dass Dilma Rousseff die Frauenquote im Kabinett kräftig erhöht, wenngleich sie in wichtigen Ministerien wie Wirtschaft und Soziales auf Kontinuität setzt. Damit hofft sie, die Mittelschicht in Brasilen weiter zu verbreitern, ebenso gilt es die großen Erwartungen dieser neuen Gesellschaftsschicht zu erfüllen. Wie sie das schaffen will hat Dilma Rousseff - bevor sie sich in den Weihnachtsurlaub verabschiedete - schon mal angekündigt: Mit Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit.

Stand: 01.01.2011 12:10 Uhr
 

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