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Es ist die größte Demonstration der russischen Opposition seit Jahren: Rund 50.000 Menschen haben sich in Moskau auf dem Bolotnaja-Platz versammelt, um gegen die umstrittene Parlamentswahl zu protestieren. In Sprechchören forderten sie den Rücktritt von Ministerpräsident Putin.
Von Stephan Laack, ARD-Hörfunkstudio Moskau
Damit hatten auch die Veranstalter nicht gerechnet. Trotz des unglaublichen Aufgebots von rund 52.000 Einsatzkräften kamen zu der Großdemonstration in Moskau wesentlich mehr Menschen als die erwarteten 35.000 Teilnehmer.
Schon mittags um 14.00 Uhr Ortszeit war der Bolotnaja-Platz - ein Park in der Nähe des Kreml - gut gefüllt. Doch bis zum späten Nachmittag riss der Strom der Menschen nicht ab, die gegen Wahlfälschung protestieren wollten. Nach Angaben der Organisatoren sollen sich bis zu 100.000 Regierungsgegner an der genehmigten Demonstration beteiligt haben, die schon jetzt als größte seit über einem Jahrzehnt gilt. Die Polizei sprach lediglich von 25.000 Teilnehmern. Nach Einschätzungen von Beobachtern ist dies jedoch stark untertrieben.
Selbst erfahrene Demonstranten wie die 70-jährige Rentnerin Raissa waren überwältigt: "Ich bin schon bei vielen Protesten dabei gewesen", sagt sie. "Aber so viele Leute wie heute habe ich noch nie gesehen. Stellen Sie sich vor, wie glücklich ich bin! Das Volk ist aufgewacht, es beginnt zu verstehen!"
Zwar konnten die meisten Teilnehmer die Reden, die auf dem Podium gehalten wurden, nicht verstehen - die Lautsprecheranlage war für die Größe der Veranstaltung einfach nicht geeignet. Trotzdem waren sich fast alle in den Grundforderungen einig. In Sprechchören skandierten sie: "Die Wahlen sollen wiederholt werden, die Regierungsgegner, die nach den bisherigen Protesten ins Gefängnis gesteckt wurden, sollen sofort freigelassen werden." Viele forderten auch ein Russland ohne Putin.
Über soziale Netzwerke wie Facebook oder das russische Vkontakte war zu den Protesten aufgerufen worden. Und so kamen heute auch überwiegend Menschen, die keiner speziellen politischen Gruppierung oder Partei zuzuordnen sind, darüber dürfen die Fahnen und Banner verschiedener Gruppen nicht hinwegtäuschen. Der 36-jährige Dmitri sieht nun auch die Opposition gefordert. Gerade im Hinblick auf die anstehende Präsidentschaftswahl dürfe es nicht sein, dass jede Partei wie in der Vergangenheit ihr eigenes Süppchen koche.
[Bildunterschrift: Schon Stunden vor der Kundgebung war der Bolotnaja-Platz im Zentrum Moskaus überfüllt. ]
Bis zum frühen Abend blieb die Situation auf dem Bolotnaja-Platz friedlich. Berichte über Zwischenfälle in Moskau gab es nicht. Landesweit sollen bei Demonstrationen in 80 anderen Städten circa 100 Menschen festgenommen worden sein.
Dennoch betrachten viele Teilnehmer den heutigen Tag als möglichen Wendepunkt - wie etwa die 25-jährige Irina:"Ich glaube, dass diese Demonstration eine große Bedeutung in der russischen Geschichte hat. Endlich haben sich die Bürger als Menschen empfunden, nicht als Mob. Und sie haben ihren Protest offen geäußert. Was demnächst in der Politik entschieden wird, ist heute nicht so wichtig. Viel wichtiger ist die Tatsache, dass die Machthaber die Aktivität und Stärke des Volkes zu spüren bekamen."
Wenigstens heute durften die Menschen in der russischen Hauptstadt ihren Unmut und ihre Enttäuschung offen zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass man im Kreml erkennt, dass es keine Staatsfeinde waren, die heute auf die Straße gingen - sondern ganz normale Bürger.
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