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Die Hackergruppe "Anonymous" hat dem mexikanischen Drogenkartell "Los Zetas" den Kampf angesagt. Nachdem die Mafia einen ihrer Mitglieder entführt hat, drohen die Aktivisten, "Zetas"-Unterstützer zu enttarnen - ein fast sicheres Todesurteil.
Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko
[Bildunterschrift: Screenshot aus dem Youtube-Video: Der Sprecher ist im Guy-Fawkes-Kostüm, dem Markenzeichen von "Anonymous" ]
Das Video wurde bei Youtube innerhalb von nur zwei Tagen schon mehr als 300.000 Mal angeklickt. Es zeigt einen Mann mit Maske, schwarzem Jacket und roter Krawatte - offenbar mit einer Mitteilung der Hackergruppe Anonymous an das mexikanische Drogenkartell Zetas: "Anonymous aus Veracruz, Mexiko und der Welt. Wir möchten, dass sie wissen, dass ein Mitglied von uns entführt wurde. Wir fordern seine Freilassung. Wir haben genug von den Zetas, die erpressen und entführen."
Und dann die Drohung des Manns mit der Guy-Fawkes-Maske an das Drogenkartell. Namen, Fotos und Adressen könnten die Hacker veröffentlichen, von Leuten die für die Zetas arbeiten - egal ob Taxifahrer, Polizist oder Politiker: "Wir können uns nicht mit Waffen verteidigen. Aber wir können es mit ihren Autos, Bars oder Häusern. Es wird nicht schwer sein. Wir wissen, wer sie sind und wo sie sind."
Eine Art Kriegserklärung im Internet. Viel ist nicht bekannt über die Gruppe Anonymous. Aber sie wird verantwortlich gemacht für Cyberangriffe auf große Konzerne wie Visa oder Mastercard. Experten US-amerikanischer Sicherheitsfirmen halten das Video für authentisch. Zumal Anonymous offenbar bereits eine Kostprobe abgeliefert hat, was die "Narcos", die Drogenmafia, erwarten könnte. Die Webseite des ehemaligen Generalstaatsanwalt Gustavo Rosario haben die Hacker offenbar bereits besucht. Dort steht jetzt: Gustavo Rosario ist ein Zeta. Zuvor hatte Anonymous schon mehrere mexikanische Regierungsseiten gehackt.
Bisher fürchteten vor allem autoritäre Regime das Internet. Jetzt könnte eine der weltweit brutalsten Verbrecherorganisationen in Schwierigkeiten geraten wegen Informationen im Netz. Denn wer als Zeta geoutet wird, der muss um sein Leben fürchten - egal ob die Anschuldigung stimmt oder nicht. Die mexikanischen Drogenkartelle kennen keine Rücksicht im Kampf gegen die Konkurrenten. Mehr als 40.000 Tote hat der Drogenkrieg bisher gekostet.
Informationen als Waffe werden im Internet kontrovers diskutiert. Manche warnen, dass Bits und Bytes nichts gegen Bullets - also Patronen - ausrichten könnten. Die Zetas seien echte Killer. Auf der anderen Seite sind in manchen Regionen Mexikos anonyme Internet-Einträge die einzige Möglichkeit, über den Drogenkrieg und die Kartelle zu informieren.
Vielleicht will die Gruppe Anonymous jetzt aufs Ganze gehen. In dem Video jedenfalls wird den Zetas die Frist 5. November gesetzt. Cyberkrieg ganz real: "Ihr habt einen großen Fehler gemacht, einen von uns mitzunehmen. Lasst ihn frei. Wenn ihm irgendetwas passiert, werdet ihr den 5. November nicht mehr vergessen." Und dann endet das Video mit den Standardsätzen von Anonymous: "Wir vergeben nicht, wir vergessen nicht. Erwartet uns."
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